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Franziska Würgler

Und auf einmal war da diese Erkenntnis

Als ich damals das Licht dieser Welt erblickte, war vieles noch ziemlich anders als heute: ich war kleiner, ich war schrumpeliger, und ich war durchaus auch ein paar Gramm leichter. Vor allem hatte ich damals aber noch diesen einen kleinen Schönheitsfehler, der mich noch mindestens 39 Jahre durch mein Leben begleiten sollte ...

Zugegeben, Schönheitsfehler trifft es vielleicht nicht ganz: Geburtsfehler, mit dem ich mich irgendwie arrangieren musste, wäre wohl passender formuliert. Bevor es aber zur Auseinandersetzung mit eben diesem Geburtsfehler kam, durfte ich 12 mehr oder weniger unbeschwerliche Lebensjahre verbringen, bis dann eben kam, was unweigerlich kommen musste: Die Pubertät. Dass diese Zeit wohl nicht ganz problemlos abläuft, dürften all jene wissen, die sie ebenfalls schon mal durchmachen mussten; bei mir war es halt einfach ein klitzeklein wenig komplizierter. Gut, ich hab sie überstanden und mich in meinem Umfeld auch sehr erfolgreich behauptet und ich durfte sogar auch eine liebevolle Partnerin finden, die mit mir durch Dick und Dünn ging.

Und auf einmal war da diese Erkenntnis, weshalb einem die Person, der man Tag für Tag im Spiegel begegnete, schon immer irgendwie fremd war

In mir drin sah es jedoch ganz anders aus und es brodelte schon länger, bis ich dann ein paar Tage vor meinem 39. Geburtstag endlich allen Mut zusammen und mein Herz in die Hand genommen habe - und mich als Transident geoutet habe. 

Dieser Schritt, so schwer er auch war, war ein sehr bewegender Moment in meinem Leben, denn plötzlich bekam die eigene Seele den befreienden Raum, den sie sich schon immer so sehnlichst herbei gewünscht hat. Ein befreundeter junger Mann hat diesen einen Moment einmal mit einem Sprung vom 10 Meter Turm verglichen: der Weg hinauf ist steil und der Moment des Absprungs schwer, das Eintauchen ins Wasser jedoch ein sehr wunderbarer und befreiender Moment. In meinen Worten tönt die Geschichte ähnlich, auch wenn ich für den Vergleich gerne den steinigen und steilen Bergwanderpfad hinzuziehe, bei dem der Aufstieg der eigentlich beschwerliche Teil und die darauf folgende Aussicht der überwältigende und befreiende Teil ist - zumindest wenn, wie in meinem Falle, die Aussicht nicht durch schlechtes Wetter getrübt wird.

Mit meinem Outing kam dann aber auch der für mein Umfeld sichtbare Teil der Reise zu mir selber - einer sehr spannenden, aber auch für alle sehr intensiven Reise, welche nichts geringeres zum Ziel hat, als der Seele nicht nur den notwendigen Raum, sondern auch den inneren Frieden zu verleihen und ganz nebenbei auch noch dafür zu sorgen, dass diese eine Person, der man eben Tag für Tag im Spiegel begegnet, nicht mehr fremd ist.

Nun, viele liebe Freunde haben mich auf dieser Reise immer wieder unterstützt, wenn ich ein klein wenig ins Stocken geriet, haben mir Mut zugesprochen, wenn ich zu verzweifeln drohte, und haben mich einfach auch nur durch Ihre Anwesenheit dabei unterstützt, dass ich mein Ziel drei Jahre später wohlbehalten erreichen durfte. 

Nun ja, all dies ist bereits wieder eine ganze Weile her, und ich wurde seither von vielen Seiten dazu gedrängt, meine Geschichte nieder zu schreiben. Bis heute habe ich mich aber standhaft dagegen gewehrt, denn ich war eigentlich der Meinung, dass es bereits genug Bücher zu dem Thema gibt und ich mit meiner bescheidenen Story nicht noch ein weiteres herausgeben muss. Doch wie so oft kommt es anders als man denkt und ich starte in den nächsten Tagen ein Crowdfunding, denn trotz meiner ursprünglichen Ablehnung dem Thema gegenüber habe ich mich nun doch überzeugen lassen, dass es vielleicht genau mein Buch noch braucht.

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    Heute vor gut 5 Jahren, am 09.03.2013, habe ich ein eMail mit dem Betreff „Eine neue Herausforderung wird zum Abschied – aber auch zum Neuanfang“ verschickt. Diejenigen, die ich damals schon kannte, mögen sich sicher noch erinnern, denn es hat bei den Empfängern im ersten Durchgang doch einiges an Verunsicherung; und in meinem Leben in der Folge keinen Stein auf dem anderen gelassen …
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    Franziska Würgler
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